Lesbarkeit: Was macht Schrift gut lesbar?
Autor: Matthias Wimmer · Veröffentlicht: 11. Mai 2023 · Aktualisiert: 2. November 2025
Die Gestaltung einer Schriftart spielt die entscheidende Rolle für die Lesbarkeit.
Gut gestaltete Schrift berücksichtigt mehrere Faktoren gleichzeitig: Buchstabenform, Kontrast, Zeilenabstand und Kontext.
Dieser Artikel erklärt die Grundlagen der Lesbarkeit, von der Zeichengestaltung bis zum Einsatz in Corporate Design und auf Websites, und zeigt, worauf es bei der Schriftwahl wirklich ankommt.
Lesbarkeit ist ein zentrales Kriterium für gute Gestaltung. Denn selbst das schönste Layout nützt wenig, wenn der Inhalt nicht klar erfasst werden kann.
Besonders im Rahmen eines professionellen Corporate Designs ist Typografie mehr als nur ein Gestaltungselement, sie trägt wesentlich zur Markenidentität bei.

Die Wahl einer gut lesbaren Schriftart ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern hat einen großen Einfluss darauf, wie effektiv Inhalte vermittelt und aufgenommen werden. Sie spielt eine entscheidende Rolle für die Benutzerfreundlichkeit, die Barrierefreiheit, das Verständnis und den Gesamterfolg jeder schriftlichen Kommunikation.
Schrift für Corporate Design
Neben den rein funktionalen Kriterien ist die Wahl einer passenden Schriftart ein wichtiger Erfolgsfaktor für Ihre Kommunikation. Schrift kommuniziert weit mehr als Worte allein und ist damit ein entscheidendes Instrument für die Schaffung einer dauerhaften und wirkungsvollen Markenidentität.
Damit die Typografie in allen Medien konsistent eingesetzt wird, sollten Schriftarten, Schriftschnitte und Anwendungsregeln in einem Corporate Design Styleguide dokumentiert werden.
Schrift für Webdesign
Auch für das Webdesign spielt die Auswahl einer gut lesbaren Schrift eine wichtige Rolle. Sie verbessert die Benutzerfreundlichkeit, unterstützt die Barrierefreiheit. Eine passende und gut lesbare Schrift trägt zum Gesamterfolg einer Website bei, indem sie die Besucher anspricht und die Botschaft Ihrer Marke wirksam vermittelt.
Wie gute Typografie speziell auf Websites umgesetzt wird, zeigt unser Artikel Website-Typografie im Detail.
Zwei Faktoren, die die Lesbarkeit eines Textes beeinflussen
Die Lesbarkeit eines Textes beruht auf Schriftauswahl und Typografie. Diese beiden Faktoren sind eng miteinander verbunden, stellen jedoch unterschiedliche Aspekte der Verwendung von Schriftarten in Design und Layout dar, um die Lesbarkeit zu optimieren.
Wahl der Schriftart
Die Wahl der Schriftart bezieht sich auf die Auswahl eines bestimmten Schrifttyps für einen bestimmten Text. Dazu gehören Entscheidungen über das grundlegende Design der Buchstaben, z. B. ob eine Serifenschrift oder eine serifenlose Schrift verwendet werden soll, die Buchstabenformen selbst und andere stilistische Überlegungen.
Einsatz der Schrift
Die Verwendung der Schrift umfasst die Kunst und Technik der Anordnung und Formatierung von Schrift, um geschriebene Sprache gut lesbar und visuell ansprechend zu gestalten. Dazu gehört auch die korrekte Verwendung von unterschiedlichen Schriftarten in einem Layout.
Ihr Ansprechpartner für Schrift und Typografie

Bereit für ein kostenloses Erstgespräch?
So beeinflusst die Gestaltung der Buchstaben die Lesbarkeit
Buchstabenproportionen
Die relative Weite der Buchstaben sollte nicht zu eng und nicht zu weit sein. Für eine optimale Lesbarkeit im Schnitt „regular“ sollte die Breite der Innenfläche (n) 40 % – 60 % der x-Höhe (x) betragen.
Variationen der Buchstabenbreite
Schriften wie die Futura haben große Unterschiede in der Weite der einzelnen Buchstabenformen. Dadurch wird die Lesbarkeit der schmaleren Buchstaben eingeschränkt. Schriftarten wie die Adobe Garamond haben geringere Unterschiede in der Breite der einzelnen Buchstabenformen, was die Lesbarkeit unterstützt.
Kontrast der Strichstärken
Der Kontrast einer Buchstabenform ergibt sich durch das Verhältnis von dickeren und dünneren Linien innerhalb des Buchstaben. Der Kontrast sollte nicht zu groß sein. Das Verhältnis zwischen dickster und dünnster Linienstärke sollte zwischen 3:1 und 1,5:1 liegen.
Strichstärke
Für eine gute Lesbarkeit sollte das Verhältnis der relativen Dicke des Strichs zur Höhe der Versalie weniger als 1:10 betragen. Je kleiner die Schriftgröße, desto größer sollte das Verhältnis sein.
Binnenformen
Das Verhältnis zwischen Strichstärke und Weißraum sollte ausgewogen sein. Die Kombination einer fetten Strichstärke mit wenig Binnen-Weißraum erschwert die Lesbarkeit. Eine große Binnenform in Kombination mit einer dünnen Linienstärke erschwert ebenso die Lesbarkeit.
Öffnung der Buchstabenformen
Der Weißraum (Punzen), der sich bei offenen Buchstabenformen wie z. B. „n, C, S“ oder dem unteren Teil des „e“ ergibt, sollte nicht zu klein sein, damit die Binnenform nicht geschlossen erscheint. Gerade für Leser mit Sehschwächen erschwert das die Lesbarkeit. Umgekehrt verstärken größere offene Weißräume die Individualität der Buchstabenform und verbessern so die Lesbarkeit.
Mittellänge
Der Unterschied der Höhe von Versalien und Minuskeln wirkt sich stark auf die Lesbarkeit aus. Schriften mit großen x-Höhen wirken normalerweise größer als Schriften mit kleineren x-Höhen. Gerade bei kleineren Schriftgrößen hat dieses Verhältnis große Auswirkungen auf die Lesbarkeit.
Die x-Höhe (Höhe des Kleinbuchstabens x) sollte zwischen 67 % und 75 % der Versalhöhe betragen. Einige Leser mit Dyslexie finden dagegen Schriftarten mit größeren Ober- und Unterlängen besser lesbar.
Auch Oberlängen der Minuskeln, welche die Versalhöhe überschreiten, erhöhen die Erkennbarkeit der einzelnen Buchstabenformen und somit die Lesbarkeit der Schrift.
Ähnliche Buchstabenformen
Schriften, die sehr ähnliche Buchstabenformen für verschiedene Buchstaben aufweisen sind schlechter lesbar. So können „l, L,1, i“ leicht verwechselt werden, wenn sie keine individuelle Ausformung haben, z. B. durch Verwendung von Serifen.
Spiegelungen
Schriften, die gespiegelte Buchstabenformen „db“ oder „pq“ verwenden sind schlechter lesbar, besonders für Leser mit Dyslexie.
Schlecht unterscheidbare Buchstabenformen
Schriftarten mit sehr ähnlichen Buchstabenformen z. B. sehr geometrisch konstruierte Schriften wie ITC Avant Garde Gothic „a, o, g“ erschweren die Lesbarkeit. Die Grundform erscheint hier auf den ersten Blick bei allen drei Buchstaben als Kreis. Individuellere Buchstabenformen wie z. B. die der Fiera sind dagegen besser unterscheidbar und somit besser lesbar.
Ebenso erhöht ein ausgeprägter „Schweif“ an den Abstrichen die klare Erkennbarkeit.
Gute Lesbarkeit durch richtigen Umgang mit Schrift
Schriften sollten gezielt eingesetzt werden. So können, mit gut lesbaren Schriften, die Nutzer/Leser Inhalte besser und schneller erfassen. Darüber hinaus unterstützt eine gute Typografie die Barrierefreiheit bzw. -armut.
Folgende Kriterien spielen dabei eine Rolle:
- Schriftgröße
- Laufweite
- Zeilenabstand
- Zeilenlänge
- Ausrichtung
- Formatierung






Kriterien zur Auswahl einer passenden Schrift
- Gute Lesbarkeit on- und offline.
- Passend zur Marke.
- Eigenständig in der Erscheinung.
- Gut genug ausgebaut für alle Einsatzzwecke.
- Im Budget für alle Anwendungen.
Die Macht der Gewohnheit
Menschen gewöhnen sich an Schriften und finden diese dann am besten lesbar. Das heißt allerdings nicht, dass die meist verwendeten Schriften wie Helvetica, Arial, Times, Verdana auch die am besten lesbaren Schriften sind. Die Gewohnheit der Auftraggeber ist ein Punkt, den man beachten muss, um eine wirklich gut lesbare Schrift für ein Projekt zu finden.
Gute Lesbarkeit und Barrierefreiheit
Für die barrierefreie oder barrierearme Schriften gelten grundsätzlich dieselben Anforderungen, die an eine gut lesbare Schrift gestellt werden. Gute Lesbarkeit sorgt also automatisch für Barrierearmut.
Weitere Insights zum Thema:
Briefing für Corporate Design Projekte
Sie planen ein Corporate Design Projekt, wissen aber nicht genau wie Sie starten sollen?
Nutzen Sie unser Corporate Design Briefing.
Was ist Corporate Design?
Was macht ein Corporate Design aus und worauf sollte man achten?
Hier erfahren Sie mehr über Corporate Design.
Typografie im Web – Wie man gut lesbare Websites gestaltet.
Typografie im Web entscheidet darüber, wie schnell Besucher Inhalte erfassen, wie professionell eine Website wirkt und ob Informationen auf allen Geräten gut lesbar bleiben.
Erfahren Sie mehr über Typografie im Web.
Der Corporate Design Prozess
Wie wird ein CD/Branding entwickelt und wer ist am Prozess beteiligt?
Hier erfahren Sie mehr über den Corporate Design Prozess.