Typografie im Web: gut lesbare Websites gestalten

Autor: Matthias Wimmer · Veröffentlicht: 17. Juli 2026

Gute Typografie ist weit mehr als eine Frage des Geschmacks. Sie entscheidet darüber, wie schnell Besucher Inhalte erfassen, wie professionell das Webdesign wirkt und ob Informationen auf allen Geräten gut lesbar bleiben.

Gerade bei der Nutzung auf Smartphones und Tablets gelten andere Anforderungen als im Printbereich. Wer Schriftgrößen, Zeilenabstände oder Kontraste sorgfältig plant, verbessert nicht nur die Lesbarkeit, sondern auch die Nutzererfahrung und die Barrierefreiheit.

Warum Typografie im Web so wichtig ist

Im Internet lesen Nutzer anders als in gedruckten Medien. Texte werden häufig überflogen, auf kleinen Displays betrachtet oder unter schwierigen Lichtverhältnissen gelesen.

Eine durchdachte Web-Typografie hilft dabei,

  • Informationen schneller zu erfassen,
  • die Aufmerksamkeit gezielt zu lenken,
  • die Verweildauer zu erhöhen,
  • die Absprungrate zu reduzieren und
  • Vertrauen in das Unternehmen aufzubauen.

Schon kleine Anpassungen können einen großen Unterschied machen.

Grafik: Typografie im Webdesign

Die richtige Schrift für Websites wählen

Nicht jede Schrift eignet sich gleichermaßen für den Bildschirm.

Gute Webfonts zeichnen sich durch klare Buchstabenformen, ausreichende Zeichenabstände und eine gute Darstellung in verschiedenen Größen aus.

Die grundlegenden Kriterien für gut lesbare Schrift, unabhängig vom Medium, erklären wir ausführlich in unseren Grundlagen zu Schrift und Lesbarkeit.

Geeignet sind beispielsweise:

  • Inter
  • Source Sans 3
  • Open Sans
  • Roboto
  • Lato
  • IBM Plex Sans

Entscheidend ist weniger die konkrete Schrift als ihre Lesbarkeit auf unterschiedlichen Geräten.

Die optimale Schriftgröße

Zu kleine Texte gehören noch immer zu den häufigsten Problemen auf Unternehmenswebsites.

Als Orientierung können dienen:

  • Fließtext: 16–18 px
  • Einleitung: 18–22 px
  • H2: 28–36 px
  • H3: 22–28 px

Je nach Schriftart können diese Werte leicht variieren.

Lange Textzeilen erschweren das Lesen erheblich. Zu kurze Zeilen unterbrechen dagegen den Lesefluss.

Bewährt haben sich:

  • etwa 60–75 Zeichen pro Zeile
  • Zeilenabstand zwischen 1,4 und 1,7
  • genügend Abstand zwischen Absätzen

Dadurch können Leser leichter von einer Zeile zur nächsten wechseln.

Eine Schriftgröße, die auf einem großen Monitor angenehm wirkt, kann auf einem Smartphone bereits zu klein sein.
Deshalb sollte Typografie responsiv geplant werden.

Dazu gehören unter anderem:

  • flexible Schriftgrößen
  • relative Einheiten wie rem
  • angepasste Zeilenabstände
  • optimierte Überschriften für kleine Displays

Moderne CSS-Funktionen wie clamp() ermöglichen fließende Größenanpassungen ohne zahlreiche Media Queries.

Typografie und Barrierefreiheit

Lesbarkeit ist ein wesentlicher Bestandteil barrierefreier Websites.

Wichtig für barrierefreie Typografie:

  • ausreichenden Farbkontrast
  • genügend große Schrift
  • klare Schriftarten
  • ausreichenden Zeilenabstand
  • keine ausschließliche Informationsvermittlung über Farbe
  • gute Tastaturbedienbarkeit

Davon profitieren nicht nur Menschen mit Einschränkungen, sondern alle Nutzer.

Nützliches Tool: WCAG Color Contrast Checker

Mit dem Color Contrast Checker können die Kontraste von Farbkombinationen bestimmt und auf ihre WCAG-Kompatibilität hin überprüft werden.

Abbildung zweier barrierefreier Schriften (Atkinson Hyperlegible und FiraGO)

Beispiele für (barrierefreie) Schriften mit maximaler Lesbarkeit

Atkinson Hyperlegible

Die Atkinson Hyperlegible ist eine Schriftart, die speziell für maximale Lesbarkeit entwickelt wurde – insbesondere für Menschen mit Sehbehinderungen. Sie wurde von der Braille Institute entworfen und kostenlos veröffentlicht.

FiraGo

Die FiraGo ist eine Weiterentwicklung der Fira Sans. Als ein Font mit umfangreichem Glyphen-Satz und der Unterstützung von sehr vielen Sprachen-Systemen, gehört FiraGO zu den stärksten Open-Source-Schriften mit hoher Lesbarkeit. Sie ist allerdings keine spezielle Barrierefreiheits-Schrift wie Atkinson Hyperlegible sondern setzt auf einen ausgewogenen Kompromiss zwischen Ästhetik und Lesbarkeit.

Hier erfahren Sie, wie gut lesbare Schriften gestaltet sind.

Die Hausschrift (Corporate Font) eines Unternehmens prägt den Wiedererkennungswert des Brandings. Gleichzeitig muss sie im Web zuverlässig funktionieren.

Bei der Auswahl sollte deshalb geprüft werden:

  • gute Darstellung auf allen Geräten
  • ausreichende Schriftschnitte
  • Webfont-Verfügbarkeit
  • Ladezeit
  • Lizenzmodell

Nicht jede Printschrift eignet sich automatisch für Websites.

Ihr Ansprechpartner für Schrift und Typografie

Matthias Wimmer

Typografische Fehler auf Websites

Diese Fehler begegnen einem besonders häufig:

  • zu kleine Schrift
  • zu geringer Kontrast
  • Blocksatz ohne Silbentrennung
  • zu lange Textzeilen
  • zu viele verschiedene Schriftarten
  • überladene Überschriften
  • zu wenig Weißraum
  • rein dekorative Schriften im Fließtext

Schon wenige dieser Punkte können die Lesbarkeit deutlich verschlechtern.

Checkliste für gute Web-Typografie

Vor der Veröffentlichung einer Website lohnt sich ein kurzer Qualitätscheck:

  • Ist der Fließtext angenehm lesbar?
  • Funktioniert die Typografie auch auf Smartphones?
  • Sind Überschriften klar strukturiert?
  • Stimmen Kontrast und Zeilenabstand?
  • Werden maximal zwei Schriftfamilien verwendet?
  • Sind alle Texte barrierearm gestaltet?

Fazit

Eine gute Web-Typografie verbessert die Lesbarkeit, stärkt die Benutzerfreundlichkeit und unterstützt die Wahrnehmung einer Marke.

Wer Schriftgrößen, Abstände, Kontraste und Responsive Design von Anfang an berücksichtigt, schafft die Grundlage für eine Website, die sowohl Besucher als auch Suchmaschinen überzeugt.

FAQ – Website-Typografie

Welche Schriftgröße sollte eine Website haben?

Für Fließtexte haben sich 16 bis 18 Pixel als guter Ausgangspunkt etabliert. Je nach Schriftart und Zielgruppe kann eine größere Darstellung sinnvoll sein. Wichtig ist, dass Texte auf Smartphones ebenso gut lesbar sind wie auf großen Bildschirmen.

Welche Schriftarten eignen sich besonders gut für Websites?

Klare Sans-Serif-Schriften wie Inter, Source Sans 3, Roboto oder Open Sans bieten auf digitalen Endgeräten häufig eine sehr gute Lesbarkeit. Entscheidend sind jedoch nicht nur die Schriftart selbst, sondern auch Größe, Zeilenabstand und Kontrast.

Sind Serifenschriften für das Web ungeeignet?

Nicht unbedingt. Moderne Serifenschriften können auch auf Bildschirmen hervorragend funktionieren. Sie eignen sich besonders für Marken mit einem klassischen oder hochwertigen Erscheinungsbild. Wichtig ist, dass die Schrift in kleinen Größen gut lesbar bleibt.

Wie viele Schriftarten sollte eine Website verwenden?

In den meisten Fällen reichen ein bis zwei Schriftfamilien aus. Eine Schrift für Überschriften und eine für Fließtexte sorgt für ein ruhiges und konsistentes Erscheinungsbild. Zu viele unterschiedliche Schriften wirken schnell unübersichtlich.

Warum ist Responsive Typografie wichtig?

Nutzer greifen mit ganz unterschiedlichen Geräten auf Websites zu. Responsive Typografie stellt sicher, dass Schriftgrößen, Zeilenlängen und Abstände sich flexibel an verschiedene Bildschirmgrößen anpassen und Inhalte überall gut lesbar bleiben.

Welche Rolle spielt Typografie für SEO?

Typografie ist kein direkter Rankingfaktor. Sie beeinflusst jedoch die Nutzererfahrung: Gut lesbare Inhalte werden leichter erfasst, Besucher bleiben oft länger auf der Seite und interagieren häufiger mit den Inhalten. Das kann sich indirekt positiv auf die Performance einer Website auswirken.

Welche WCAG-Anforderungen sind für Typografie besonders relevant?

Wichtige Aspekte sind ausreichende Farbkontraste, eine gut lesbare Schriftgröße, skalierbare Texte, ausreichende Zeilen- und Absatzabstände sowie eine klare Überschriftenstruktur. Diese Maßnahmen verbessern die Zugänglichkeit für alle Nutzer.

Entdecken Sie unser Webdesign, mit typografischer Sorgfalt von Anfang an mitgedacht.


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