Farben im Corporate Design: Wirkung, Strategie & Praxis von Markenfarben
Autor: Matthias Wimmer · Veröffentlicht: 28. Januar 2026 · Aktualisiert: 06. Febuar 2026
Warum Markenfarben im Corporate Design entscheidend sind
Farben sehen wir als Erstes bei einer Marke. Wir nehmen sie wahr, bevor wir die Inhalte bewusst erfassen. Sie prägen den ersten Eindruck, beeinflussen, ob wir eine Marke sympathisch finden und ihr vertrauen.
Sie helfen wesentlich bei der Wiedererkennung. Sie stellen kein dekoratives Beiwerk dar, sondern ein zentrales Element, um eine Markenstrategie umzusetzen.
In der Praxis sind Farbschemata oft zufällig entstanden, nicht klar festgelegt oder rein nach Gefühl ausgewählt. Das führt zu Diskussionen im Team aber auch Unsicherheit bei der Anwendung. Zudem sieht das Brand Design je nach Kanal unterschiedlich aus.
Genau hier setzt ein gut durchdachtes Corporate Design an: Es schafft Klarheit, Orientierung und Verlässlichkeit.
Inhaltsverzeichnis

Auswahl der Farben als Strategie für die Markenpersönlichkeit
Farben sind eng mit der Corporate Identity verknüpft. Sie übermitteln Werte, unterstützen die Positionierung und sorgen dafür, dass eine Marke an allen Kontaktpunkten einheitlich erscheint.
Untersuchungen zeigen, Farben bilden ein wichtiges Element der Markenkommunikation. Sie beeinflussen Wahrnehmung, Bekanntheit der Marke als auch Kaufentscheidungen.
Farben sind kein ästhetisches Beiwerk, sondern Teil der Markenführung und damit ein entscheidender Faktor für Vertrauen und Wiedererkennung.
Gleichzeitig sind Farbkombinationen ein starkes Unterscheidungsmerkmal. Viele Leistungen, Produkte oder Angebote ähneln sich in vielen Branchen. Eine einmalige, zur Marke passende Farbgebung macht den Unterschied aus. Sie muss strategisch abgeleitet und konsequent eingesetzt werden.
Wichtig ist dabei: Gute Farbentscheidungen lassen sich begründen. Sie orientieren sich an Zielgruppe, Markenpersönlichkeit und Einsatzkontext, nicht an der Lieblingsfarbe einzelner Beteiligter.
Farbwirkung verstehen – Farbenlehre für das Marketing
Farben lösen Assoziationen aus und beeinflussen unsere Wahrnehmung. Diese Wirkung ist real, aber nicht absolut. Vereinfachende Aussagen wie „Blau steht für Vertrauen“ oder „Grün bedeutet Nachhaltigkeit“ sind zu allgemein. Sie führen in der Praxis oft zu falschen Entscheidungen.
Entscheidend ist der Kontext, in dem eine Farbe eingesetzt wird. Helligkeit, Sättigung, Kombination mit anderen Farben, Schriftauswahl, Typografie und Bildsprache verändern die Wirkung erheblich. Ein dunkles Blau wirkt seriös und kompetent oder kühl und distanziert. Ein Grünton vermittelt Natürlichkeit oder erscheint technisch und sachlich.
Farbwirkung im Branding
- Farben beeinflussen die Wahrnehmung sehr schnell und oft unbewusst.
- Die Bedeutung von Farben ist kulturell und branchenspezifisch geprägt.
- Farben wirken im Zusammenspiel mit anderen Gestaltungselementen.
Farbwirkung bietet eine Richtung, ersetzt aber keine strategische Auseinandersetzung mit der Marke, der Zielgruppe und dem Umfeld.
Farben und deren emotionale und kulturelle Bedeutung
Farben lösen Emotionen aus – doch diese Emotionen sind nicht universell. Kulturelle Prägung, gesellschaftliche Normen als auch Markterfahrung beeinflussen sie stark. Eine Farbe wird in einem Kulturraum positiv bewertet. In einem anderen Kulturraum wird sie neutral oder negativ aufgenommen.
Je internationaler eine Marke auftritt, desto wichtiger die Berücksichtigung der Farbwirkung im kulturellen Zusammenhang.
Europa: Zurückhaltung, Qualität, Differenzierung
In vielen europäischen Märkten werden Farben häufig mit folgenden Werten verknüpft:
- gedeckte, reduzierte Farbpaletten zeigen Seriosität, Qualität.
- Dunkelblau sowie Grautöne stehen für Kompetenz, Stabilität.
- zurückhaltende Akzentfarben vermitteln Kontrolle aber auch Präzision.
Je nach Branche und Zielpublikum können übermäßige Farbigkeit oder hohe Sättigung als verspielt oder unseriös wahrgenommen werden.
USA: Klarheit, Signalwirkung, Emotionalität
Im US-amerikanischen Markt ist der Umgang mit Farbe oft offensiver:
- stärkere Kontraste erzeugen Aufmerksamkeit als auch Klarheit.
- kräftige Farben stehen für Energie, Optimismus, Leistungsversprechen.
- Farben dienen als klares Signal statt als subtiler Akzent.
Die Markenkommunikation ist häufig direkter, Farben dürfen sichtbarer und emotionaler eingesetzt werden.
Asien: Symbolik, Harmonie, kulturelle Codierung
In vielen asiatischen Kulturräumen ist Farbwirkung stärker symbolisch geprägt:
- Farben tragen klare kulturelle Bedeutungen.
- Harmonie sowie Balance spielen eine große Rolle.
- Fehlgriffe wirken schneller unpassend als in westlichen Märkten.
Hier ist besondere Sensibilität erforderlich, besonders bei Farben, die die Marke prägen.
Farbwirkung ist immer eine Kombination aus Emotion, Kultur und Kontext. Pauschale Bedeutungszuweisungen helfen nicht. Der konkrete Einsatzbereich bleibt entscheidend.
Was das für Corporate Design bedeutet
- Internationale Marken benötigen flexible, aber klar geregelte Farbsysteme.
- Eine starke Primärfarbe funktioniert global, Akzentfarben sollten gegebenenfalls lokal angepasst werden.
- Farbentscheidungen sollten immer im Zusammenspiel mit Markt, Branche und Anwendung getroffen werden
Farbharmonie im Corporate Design systematisch aufbauen
Ein funktionierendes Farbspektrum folgt einer klaren Struktur. Es besteht nicht aus beliebig vielen Farbtönen, sondern aus bewusst definierten Ebenen:
- Primärfarbe: Kernfarbe der Marke mit hohem Wiedererkennungswert
- Sekundärfarben: Ergänzende Farben zur Differenzierung von Bereichen, Anwendungen oder Inhalten
- Akzentfarben: Gezielt eingesetzte Farben zur Hervorhebung wichtiger Elemente
Je klarer die Farbhierarchie definiert wird, desto einheitlicher und effizienter lassen sich die Farben im Alltag einsetzen.
Häufige Fehler in der Praxis
- Zu viele Akzentfarben ohne klare Anwendungsregeln.
- Fehlende Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärfarben.
- Keine dokumentierten Farbwerte für unterschiedliche Medien.
Checkliste: Passt unsere Farbwelt noch zu unserer Positionierung?
Farben entwickeln ihre Wirkung nicht allein, sondern im Zusammenspiel mit der Markenstrategie, der Zielgruppe und dem Marktumfeld. Diese Checkliste hilft einzuschätzen, ob die aktuelle Farbwelt die Positionierung noch unterstützt.
Beantworten Sie die folgenden Fragen:
- Spiegelt unsere Farbwelt die Werte und Persönlichkeit unserer Marke klar wider?
- Unterstützt sie unsere gewünschte Außenwirkung (z. B. kompetent, nahbar, innovativ, hochwertig)?
- Unterscheidet sich unser Farbauftritt sichtbar von direkten Wettbewerbern?
- Passt unsere Farbigkeit zur Erwartungshaltung unserer Zielgruppe?
- Funktionieren unsere Farben gleichermaßen für digitale und gedruckte Medien?
- Wirken Website, Social Media, Präsentationen und Print wie „aus einem Guss“?
- Sind Primär-, Sekundär- und Akzentfarben definiert?
- Gibt es klare Regeln, welche Farbe wofür eingesetzt wird?
- Werden unsere Farben intern und extern konsistent angewendet?
Wenn Sie mehrere Fragen mit „Nein“ oder „Unsicher“ beantworten, sollte Ihre Farbwelt strategisch überprüft werden.
Die optimale Farbe: Digital, Print und unterschiedliche Anforderungen
Farben wirken nicht isoliert, sondern immer in der konkreten Anwendung. Im Alltag zeigt sich schnell, eine definierte Markenfarbe wird je nach Medium unterschiedlich wahrgenommen. Das stellt keinen Fehler im Corporate Design dar, sondern folgt aus unterschiedlichen technischen und physikalischen Rahmenbedingungen.
Entscheidend ist nicht, dass Farben überall exakt gleich aussehen. Vielmehr sollen sie über alle Kanäle hinweg einheitlich wirken und die gewünschte Markenbotschaft zuverlässig übermitteln.
Digitale Anwendungen
Digitale Medien basieren auf selbstleuchtenden Displays. Farben werden hier im RGB-Farbraum dargestellt und wirken in der Regel intensiver, brillanter und kontrastreicher als im Druck.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Unternehmenswebsites und Landingpages
- Social-Media-Grafiken und Anzeigen
- Präsentationen, Slides und Interfaces
Für die Praxis bedeutet das:
- Kontrast und Lesbarkeit sind entscheidend, insbesondere bei Texten und Call-to-Actions.
- Farben müssen auf unterschiedlichen Endgeräten funktionieren (Desktop, Laptop, Tablet, Smartphone).
- Dunkle oder sehr gesättigte Farben können auf Displays schnell dominant wirken und sollten bewusst eingesetzt werden.
Gerade im digitalen Raum zahlt sich ein klar definiertes Farbsystem aus. Es erleichtert die konsistente Gestaltung über viele Formate und Touchpoints hinweg.
Print-Anwendungen
Im Print erzeugt man Farben nicht durch Licht, sondern durch Farbe auf Material. Gedruckte Farben wirken daher grundsätzlich matter. Sie hängen von Faktoren wie Papier, Druckverfahren außerdem Auflage ab.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Flyer, Broschüren und Magazine
- Geschäftsausstattung
- Messe- und POS-Materialien
Wichtige Praxisaspekte:
- Papier beeinflusst Farbe: Ungestrichenes Papier wirkt wärmer und weniger kontrastreich als gestrichenes.
- Druckverfahren unterscheiden sich: Offset-, Digital- oder Siebdruck liefern unterschiedliche Ergebnisse.
- Farbabweichungen sind normal: Geringe Unterschiede zwischen Auflagen oder Materialien lassen sich technisch nicht vermeiden.
Ein realistisches Erwartungsmanagement ist hier zentral: Ziel ist eine stimmige, markenkonforme Wirkung – nicht die exakte Übereinstimmung mit dem Bildschirm.
Typische Herausforderungen im Alltag
- Markenfarben wirken online sehr kräftig, im Print jedoch zurückhaltend
- Social-Media-Grafiken verlieren Wiedererkennbarkeit durch falsche Kontraste
- Externe Dienstleister interpretieren Farben unterschiedlich
Praxis-Empfehlung: Definieren Sie Farben immer medienübergreifend (Digital und Print) und ergänzen Sie klare Anwendungsregeln. So vermeiden Sie Diskussionen, Nacharbeit und inkonsistente Ergebnisse.
Wichtig: Ziel ist nicht identische Optik, sondern eine konsistente Markenwirkung über alle Kanäle hinweg.
Barrierefreiheit: Zugänglichkeit als Qualitätsmerkmal für Marken
Farben im Corporate Design müssen nicht nur ästhetisch und markenkonform sein, sondern auch für möglichst viele Menschen gut nutzbar. Barrierefreiheit ist dabei kein Sonderfall und kein reines Compliance-Thema, sondern ein zentrales Qualitätsmerkmal professioneller Markenführung – insbesondere im digitalen Raum.
Warum Barrierefreiheit bei Farben relevant ist
- Ein großer Teil der Menschen hat eingeschränktes Farbsehen oder reduzierte Sehkraft
- Schlechte Kontraste erschweren Orientierung, Lesbarkeit und Interaktion
- Digitale Produkte mit unzureichender Farbgestaltung führen nachweislich zu höherer Absprungrate und geringerer Nutzungsqualität
Internationale Standards definieren hierfür klare Mindestanforderungen. Ein Beispiel sind die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2, die insbesondere Kontrastverhältnisse von Texten, Flächen und interaktiven Elementen betreffen.
Prinzipien barrierefreier Farbgestaltung
- Ausreichender Kontrast zwischen Text- und Hintergrundfarbe
- Farbe nicht als alleiniger Informationsträger (z. B. Fehler nicht nur über Rot kennzeichnen)
- Klare visuelle Zustände für interaktive Elemente (Hover, Aktiv, Fokus)
- Lesbarkeit vor Stil – besonders bei kleinen Schriftgrößen
Barrierefreiheit schränkt Gestaltung nicht ein. Sie führt in der Regel zu klareren, ruhigeren und besser funktionierenden Designlösungen.
Barrierefreiheits‑Quickcheck für Corporate‑Design‑Farben
(Praktischer Einstieg: WCAG-Kontrastanforderungen verständlich erklärt finden Sie z. B. hier:
W3C – Understanding Contrast (Minimum)
- Sind Texte und zentrale Inhalte auch bei geringem Kontrast gut lesbar?
- Funktionieren Farbkontraste auf Desktop, Tablet und Smartphone gleichermaßen?
- Werden Informationen zusätzlich durch Form, Text oder Icons vermittelt?
- Sind Buttons, Links und Interaktionen eindeutig erkennbar?
- Sind Kontrastanforderungen Teil der Corporate‑Design‑Guidelines?
Praxis‑Empfehlung: Barrierefreiheit sollte nicht nachträglich geprüft werden, sondern bereits bei der Definition der Farbpalette berücksichtigt werden.
RGB, CMYK und Pantone: Farbmodelle verständlich erklärt
Damit Farben im Alltag zuverlässig funktionieren, ist es wichtig, die grundlegenden Unterschiede der Farbmodelle zu verstehen. Diese Unterschiede sind keine Design-Theorie. Sie erklären, warum Farben auf dem Bildschirm anders wirken als im Druck und warum es dafür klare Regeln braucht.
Ein sauberes Corporate Design berücksichtigt alle relevanten Farbmodelle und definiert klare Einsatzregeln.
Additive und subtraktive Farbmischung
Additive Farbmischung (RGB)
- Wird bei selbstleuchtenden Medien eingesetzt (Monitore, Smartphones, Tablets)
- Farben entstehen durch das Hinzufügen von Licht
- Je mehr Licht hinzugefügt wird, desto heller wird das Ergebnis
- Die Mischung aller Farben ergibt Weiß
Subtraktive Farbmischung (CMYK)
- Wird im Druck verwendet
- Farben entstehen durch das Wegnehmen (Subtrahieren) von Licht
- Je mehr Farbe aufgetragen wird, desto dunkler wird das Ergebnis
- Die Mischung aller Farben ergibt theoretisch Schwarz (praktisch ergänzt durch Schwarz/K)
Merksatz: Bildschirmfarben leuchten – Druckfarben absorbieren Licht. Deshalb können Farben nie exakt gleich aussehen.
RGB – der Standard für digitale Anwendungen
RGB steht für Rot, Grün und Blau und ist das zentrale Farbmodell für alle digitalen Ausgabegeräte. Es ermöglicht sehr leuchtende und kontrastreiche Farben, die im Druck physikalisch nicht darstellbar sind.
Typische Einsatzbereiche:
- Websites und Webanwendungen
- Social Media und Online-Kampagnen
- Präsentationen und digitale Interfaces
Praxis-Hinweis: RGB-Farben sollten ausschließlich für digitale Medien verwendet werden. Werden sie ungeprüft in den Druck übernommen, kommt es zwangsläufig zu Farbabweichungen.
CMYK – die Realität im Druck
CMYK steht für Cyan, Magenta, Yellow und Schwarz (Black). Dieses Farbmodell bildet die Grundlage für den klassischen Vierfarbdruck.
Wichtige Eigenschaften:
- Geringerer Farbraum als RGB
- Abhängig von Papier, Druckverfahren und Maschine
- Farben wirken im Vergleich zum Bildschirm oft matter
Praxis-Hinweis: Ein professionelles Corporate Design definiert feste CMYK-Werte, um Druckergebnisse planbar und reproduzierbar zu machen.
HEX-Farben – die praktische Übersetzung für Web & UI
HEX-Farben sind keine eigene Farblogik, sondern eine technische Schreibweise für RGB-Farben. Sie werden vor allem im Web- und UI-Kontext verwendet, um Farben eindeutig zu definieren.
Ein HEX-Farbwert besteht aus sechs Zeichen, die die Anteile von Rot, Grün und Blau beschreiben (z. B. #1F3A5F). Für Entwickler:innen, CMS-Systeme und Web-Tools ist HEX der gebräuchlichste Farbwert.
Typische Einsatzbereiche von HEX-Farben:
- CSS und Webentwicklung
- Content-Management-Systeme
- Page-Builder und Marketing-Tools
- UI-Komponenten und Designsysteme
Wichtig für die Praxis: HEX ersetzt RGB nicht, sondern ergänzt es. Ein professionelles Corporate Design definiert für digitale Anwendungen RGB- und HEX-Werte. Dies gewährleistet eine saubere und verlustfreie Übergabe zwischen Design und Umsetzung.
RGB beschreibt die Farbe – HEX sorgt dafür, dass sie im Web korrekt umgesetzt wird.
Pantone – präzise Markenfarben für den Druck
Pantone ist kein alternatives Farbmodell, sondern ein standardisiertes Sonderfarbsystem. Pantone-Farben werden als fertige Farben gedruckt und nicht aus CMYK gemischt.
Wann Pantone sinnvoll ist:
- Wenn eine Markenfarbe besonders präzise reproduziert werden muss
- Bei hochwertigen Druckanwendungen
- Bei großen Auflagen oder sensiblen Materialien
Wann Pantone meist nicht notwendig ist:
- Für rein digitale Anwendungen
- Für Standard-Printprodukte ohne hohe Farbansprüche
Wichtig: Pantone ist in der Praxis ein Druckthema. Digitale Darstellungen von Pantone-Farben sind immer nur Annäherungen.
Dateiformate und Farbmodelle
Typische Fehler aus der Praxis
In der täglichen Arbeit mit Marken treten bestimmte Probleme immer wieder auf – unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße:
- Farben sind historisch gewachsen, aber nie strategisch überprüft worden
- Es existieren nur RGB-Werte, keine sauberen Definitionen für Print
- Akzentfarben werden inflationär eingesetzt und verlieren ihre Wirkung
- Externe Dienstleister interpretieren Farben unterschiedlich
- Farbregeln sind nicht dokumentiert oder schwer verständlich
Diese Fehler führen selten zu einem einzelnen großen Problem. Stattdessen verursachen sie viele kleine Reibungsverluste im Alltag – von unnötigen Korrekturschleifen bis zu inkonsistenten Markenauftritten.
Markenfarbe als Teil von Corporate-Design-Guidelines
Ohne klare Regeln werden Farben im Alltag zwangsläufig inkonsistent eingesetzt. Corporate-Design-Guidelines schaffen hier Sicherheit.

Gute Farbdefinitionen enthalten:
- Farbwerte für RGB, HEX, CMYK und ggf. Pantone
- Klare Einsatzregeln pro Medium
- Hinweise zu Kontrast, Lesbarkeit und Barrierefreiheit
Infobox – Nutzen sauberer Guidelines:
- Weniger Rückfragen und Korrekturschleifen
- Höhere Konsistenz über alle Kanäle
- Effizientere Zusammenarbeit mit internen und externen Teams
Wann ist ein Farb-Refresh sinnvoll?
Ein Farb-Refresh bedeutet nicht zwangsläufig einen kompletten Bruch mit dem bisherigen Erscheinungsbild. Oft geht es darum, bestehende Farben zu schärfen, zu strukturieren oder zeitgemäß weiterzuentwickeln.
Ein Farb-Refresh ist besonders dann sinnvoll, wenn:
- sich die Positionierung oder Zielgruppe verändert hat
- neue digitale Kanäle hinzugekommen sind
- der Auftritt uneinheitlich wirkt
- Farben technisch oder funktional an ihre Grenzen stoßen
- Barrierefreiheit bisher keine Rolle gespielt hat
Treffen zwei oder mehr Punkte zu, lohnt sich eine strukturierte Überprüfung der Farbwelt.
Farbentscheidung in 5 Schritten – ein praxisnahes Framework
So werden Farbentscheidungen systematisch und nachvollziehbar getroffen:
1. Positionierung klären
Welche Werte, Haltung und Tonalität soll die Marke vermitteln?
2. Zielgruppe und Kontext analysieren
In welchem Umfeld wird die Marke wahrgenommen – und mit welchen Erwartungen?
3. Farbschema strategisch aufbauen
Definition von Primär-, Sekundär- und Akzentfarben mit klarer Hierarchie.
4. Anwendung testen
Prüfung der Farben in realen Szenarien (Web, Print, Präsentationen, Social Media).
5. Regeln dokumentieren
Festlegung von Farbwerten, Einsatzregeln und Kontrasten in Guidelines.
FAQ: Häufige Fragen zu Farben im Corporate Design
Welche Farben eignen sich für ein Corporate Design?
Es gibt keine universell „richtigen“ oder „falschen“ Farben. Geeignete Farben ergeben sich aus der Positionierung, der Zielgruppe, dem Marktumfeld und dem Einsatzzweck. Entscheidend ist, dass Farben strategisch begründet sind, konsistent eingesetzt werden und die gewünschte Markenwirkung unterstützen.
Wie viele Farben sollte ein Corporate Design haben?
In der Praxis bewährt sich eine klar strukturierte Farbpalette mit:
– einer Primärfarbe als visueller Anker
– wenigen Sekundärfarben zur Differenzierung
– ein bis zwei Akzentfarben für Hervorhebungen
Zu viele Farben ohne klare Hierarchie führen schnell zu Unruhe und Inkonsistenz.
RGB, HEX oder CMYK – welche Farbwerte sind wirklich notwendig?
Für ein professionelles Corporate Design werden in der Regel mehrere Farbwerte benötigt:
– RGB und HEX für alle digitalen Anwendungen
– CMYK für den klassischen Druck
– Pantone optional für markenkritische Druckanwendungen
Je klarer diese Werte definiert sind, desto reibungsloser funktioniert die Umsetzung über verschiedene Medien hinweg.
Warum sehen Markenfarben im Print anders aus als auf dem Bildschirm?
Bildschirmfarben basieren auf Licht (additive Farbmischung), Druckfarben auf Farbe und Material (subtraktive Farbmischung). Unterschiedliche Papiere, Druckverfahren und Geräte führen zwangsläufig zu Abweichungen. Ziel ist daher nicht Identität, sondern eine konsistente Markenwirkung.
Wann sollte eine Farbwelt überarbeitet werden?
Eine Überarbeitung ist sinnvoll, wenn sich die Positionierung, Zielgruppe oder Kanäle verändert haben. Auch ein uneinheitlicher Auftritt oder nicht mehr erfüllte technische und funktionale Anforderungen (z. B. Barrierefreiheit) sind Gründe.
Ist Barrierefreiheit im Corporate Design Pflicht oder Kür?
Barrierefreiheit ist kein optionales Extra, sondern ein Qualitätsmerkmal zeitgemäßer Markenführung – insbesondere im digitalen Raum. Gute Kontraste und klare Farbregeln verbessern Lesbarkeit, Nutzerfreundlichkeit und Vertrauen für alle Nutzer:innen.
Quellen & weiterführende Literatur
Die folgenden Quellen dienen der fachlichen Einordnung und untermauern zentrale Aussagen dieses Artikels. Sie stammen bewusst nicht von Designagenturen, sondern aus Forschung, Standardisierung und unabhängigen Institutionen.
Farbwirkung & Wahrnehmung
- Elliot, A. J. & Maier, M. A. (2014): Color Psychology: Effects of Perceiving Color on Psychological Functioning in Humans – Annual Review of Psychology (DOI)
→ Grundlagenforschung zur emotionalen und kognitiven Wirkung von Farben - Labrecque, L. I. & Milne, G. R. (2012): Exciting Red and Competent Blue: The Importance of Color in Marketing – Journal of the Academy of Marketing Science (Springer)
→ Relevanz von Farbe für Markenwahrnehmung und Positionierung
Kultur & Farbe
- Aslam, M. M. (2006): Are You Selling the Right Colour? A Cross-cultural Review of Colour as a Marketing Cue – Journal of Marketing Communications (DOI)
→ Unterschiede in der Farbwirkung zwischen Kulturkreisen
Farbmodelle & technische Grundlagen
- International Color Consortium (ICC): Farbraum- und Farbmanagement-Standards (color.org)
→ Technische Grundlage für konsistente Farbdarstellung über Medien hinweg - ISO 12647: Prozessstandards für den Offsetdruck (ISO 12647-2)
→ Referenz für reproduzierbare Druckfarben
Barrierefreiheit & Kontrast
- W3C – Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.2) (W3C)
→ Internationale Referenz für barrierefreie Farb- und Kontrastgestaltung im Web
Hinweis: Quellenangaben dienen der fachlichen Einordnung und Orientierung. In der Praxis ist immer der konkrete Marken‑, Zielgruppen‑ und Anwendungskontext entscheidend.
Fazit: Farben unterstützen die Markenbekanntheit
Farben sind kein dekoratives Detail, sondern ein zentrales Element der Markenführung. Sie beeinflussen Wahrnehmung, Vertrauen und Wiedererkennung – und damit den Erfolg eines Corporate Designs.
Ein systematischer, gut dokumentierter Umgang mit Farben hilft, Entscheidungen zu versachlichen. Außerdem beschleunigt er Prozesse und führt die Marke konsistent.
